Deutschland schaut den Superschrott – DSDS

Das Fernsehprogramm ist auch nicht mehr das was es noch nie mal war.
In der Rubrik Deutschland schaut den Superschrott werde ich ab und an mal auf bestimmte Formate, die im Fernsehen erfolgreich sind, eingehen, und sie ggf kritisch beäugen.
Wer sich dann in seiner Ehre gekränkt fühlt, weil er ein Fan dieses Formates ist und sich durch meine Sichtweise beleidigt fühlt, kann gerne eine Email an Bill Gates schreiben, oder an Angela Merkel, ist eigentlich egal, da das den selben Effekt hätte, wie wenn man mir eine Email schreiben würde – nämlich gar keinen.

Wisst ihr, welcher der, in der werberelevanten Zielgruppe der 14–49-Jährigen, erfolgreichste, quotenstärkste deutsche Privatsender ist?
Falls nicht, sag ich es euch. Es ist RTL.
Man sollte meinen, das läge am anspruchsvollen, abwechslungsreichen und bildenden Programm, das der Sender stets ausstrahlt.

Werfen wir mal einen kurzen Blick auf das erfolgreichste Format.

Deutschland sucht den Superstar.

Inzwischen ist die sechste Staffel ausgelaufen – und die nächste kommt mit Sicherheit !
Gefühlte 80 Millionen Menschen schalten jedes Mal den Fernseher ein, wenn RTL sein Steckenpferd heraus holt und Deutschland mit anspruchsvoller Unterhaltung belohnt.
Gefühlte drei Millionen Menschen rennen zu Castings, die in verschiedenen Städten in Deutschland abgehalten werden.
Hier kommt gleich er erste Irrglaube der Allgemeinheit.
Der Zuschauer wird in dem Glauben gelassen, dass tatsächlich alle Castingteilnehmer vor die Jury kommen, die im TV gezeigt wird.
Jedem, der ein wenig Mathematik in der Schule hatte, sollte allerdings klar sein, dass das zeitlich garnicht möglich wäre.

Ein Beispiel:

Nehmen wir mal die Zahl 25000 Teilnehmer (+ – wen intressiert das schon?).
Gehen wir vom großzügigen Zeitfenster von 2 Minuten pro Teilnehmer aus (eine grobe Schätzung, wahrscheinlich aber noch viel zu wenig).

25000 Teilnehmer * 2 Minunten =
50000 Minuten

50000 / 60 = ~833 Stunden.

Gehen wir von einem gesunden 8-Stunden-Tag aus, ergeben das etwa 104 Tage, die die Jury – Vollzeit – arbeiten müsste, um wenigstens allen zuzuhören.
Wir alle wissen, dass sich unser Diva Bohlen sicher nicht so lange mit talentfreien Menschen rumschlagen würde. Dann hätte er ja gar keine Zeit mehr, sich nette Sprüche auszudenken, mit denen er uns den Tag versüßt.

Nein.
Tatsache ist, es werden Vor-Castings abgehalten.
Nun sollte man meinen, dass es da durchaus möglich wäre, schon eine grobe Vorauswahl zu treffen. Warum sollten Menschen, die definitiv nicht singen können, oder einfach zu hässlich oder zu peinlich sind, um der Öffentlichkeit als potenzieller Superstar vorgestellt zu werden, denn noch zur Promi-Jury durchgelassen werden?

Gehen wir einfach, RTL zuliebe, davon aus, dass so einer Nicht-Promi-Jury auch mal ein Fehler passieren kann.
Ist ja nicht so, dass bewusst Menschen der Lächerlichkeit preisgegeben werden, teilweise bösartig entwürdigt und gedemütigt werden, nur um Einschaltquoten zu erreichen. So etwas würde RTL nie tun!

Nun wie auch immer.

Es geht weiter mit einem Re-Call – da dürfen dann die Leute hin, die vor der Promi-Jury ihr Können bewiesen haben. Ab da gibts kaum noch peinliche, hässliche Leute die nicht singen können. Das heißt, die Promi-Jury ist viel kompetenter als die Vor-Jurys. Oder?

Nachdem Re-Call gibt es noch den Re-Re-Call und den Re-Re-Re-Call und den Re-Re-Re-Re-Call und irgendwann nach Re-Re-Re-Re-irgendwas bleiben 10 Leute übrig. Manchmal auch 12.

Inzwischen ist ein gefühltes Jahr vergangen. Aber endlich kommt das worauf wir alle gewartet haben –> Die Mottoshows!

Keiner erklärt uns, warum aus 10 Menschen einen herauszuwählen 3 Monate dauert. Man sollte dieses Prinzip mal auf potenzielle neue Mitarbeiter in einem Betrieb anwenden.
Bei einem Friseur von mir aus. Ich hole mir 10 Bewerber ran. Lasse alle voll schaffen und Geld ins Haus bringen. Bezahlt werden sie, vielleicht, ein wenig, damit sie nicht verhungern. Jede Woche starte ich eine Umfrage, welcher von den Kunden als der Beste angesehen wird, und schmeiße den schlechtesten dann raus. Vielleicht frag ich aber auch garnicht die Kunden, sondern entscheide selber, wer mir am Besten passt und wer nicht (Aber das würde RTL ja nie tun!). Eigentlich perfekte Strategie. Ich habe 3 Monate unbezahlte Arbeiter. Gut, sie werden jede Woche weniger, aber der Profit kann sich trotzdem sehen lassen! Und den Bewerber, der dann gewinnt, lass ich ein paar Monate schaffen, entlasse ihn dann und hol mir 10 neue Friseure. Wenn das keine Goldgrube ist, was dann?

Aber gehen wir, RTL zuliebe, mal davon aus, dass es einfach so lange dauert, den einzig sechsten richtigen Superstar zu finden.

Wer Spaß am gesungenem Wort und etwas übertriebener Show hat, wird bei den Motto-Shows zumindest zeitweise gute Unterhaltung finden. Die Akteure geben sich Mühe und hängen sich respektabel in ihre Aufgabe rein. Am musikalischen Aspekt gibt es wenig zu kritisieren. Die meisten kommerziell erfolgreichen Sänger können es nicht besser.
Das Drum-Rum dieser Shows ist allerdings, meiner Auffassung nach, doch recht schlecht, wenn nicht bedenklich.
Die privaten Angelegenheiten der Teilnehmer werden breit und breiter und noch breiter in der Öffentlichkeit breitgetreten. Außerdem gibt es anscheinend nichts besseres, um bei DSDS nach vorn zu kommen, als eine möglichst dramatische, schlimme Vorgeschichte! Nichts ist quotenbringender, als der arme vom Leben so bestrafte Kerl, dessen letzte Chance im Leben ist, bei DSDS zu gewinnen!
Hach. Da wird Geschichte geschrieben! RTL – Ihr seid Wohltäter!

Gut. Gehen wir, RTL zu liebe, einfach davon aus, dass das ganze nur dafür gut ist, dem Zuschauer seine Wahl so leicht wie möglich zu machen. Schließlich investieren die Zuschauer mit ihren ca. 25.000.000 Anrufen pro Staffel (in Euros sind das etwa 12.000.000) eine Menge Geld in ihren neuen Superstar.

Dann endlich, nach gefühlten 3 Stunden Gerede und Gesinge (und einer Stunde Pause) kommt die große Entscheidung!

Sollte eingentlich schnell von Statten gehen. So ein paar 1000 Stimmen sind ja vom Computer recht schnell ausgezählt. Dann setzt der Notar noch seine Unterschrift drunter, bringt den wichtigen Umschlag nach vorne (warum eigentlich?) und die Moderatoren schauen drauf, sagen den Namen von dem, der heute gehen muss, bringen ihr Bedauern zum Ausdruck und freuen sich auf die nächste Entscheidung. Ein paar Minuten. Keine große Sache, oder?

Nun. Anscheinend läuft da stets bei RTL etwas schief. Die haben das Pech aber auch gepachtet!
Wenn die Entscheidung los geht, haben anscheinend immer noch nicht genug Menschen angerufen, um ein klares Ergebnis herbeizuführen, weswegen man nochmal vehement zum Anrufen auffordern muss. Um dem ganzen etwas den Druck zu nehmen, beteuert man immer wieder, dass die Entscheidung immer noch nicht gefallen ist, und man in 90 Sekunden mit nur einem Anruf das ganze noch komplett drehen kann.
Also sitzen alle brav – was sollen sie auch sonst tun – diese 90 Sekunden ab. Sobald die abgelaufen sind, gehts plötzlich ganz fix, dass der Notar mit dem fertig ausgewerteten Ergebnis, in einem formschönen Umschlag auf der Bühne steht um den Moderatoren das Ergebnis mitzuteilen. Die kleinen Hörer im Ohr der Moderatoren sind sicherlich kaputt gegangen, bei der ganzen lauten Musik, so dass diese Maßnahme unumgänglich ist. Es wird ein Blick auf den Zettel geworfen, und dann verschwindet er wieder.
Wer jetzt denkt, gleich wissen wir bescheid, der hat aber leider Pech. Anscheinend haben die Moderatoren nach dem Blick auf den Zettel sofort wieder vergessen, wer denn nun wirklich ausscheiden muss. Da der Umschlag aber wieder fort ist, muss man sich das irgendwie ins Gedächtnis rufen – und die Zeit, die das braucht, irgendwie totschlagen.
Das passiert dann, indem man ein paar nach links stellt, und ein paar nach rechts. Das alles ist ungeheuer zeitaufwendig. Schließlich muss man noch viel erzählen, und verdammt nochmal die Sendezeit vollkriegen!
Links stehen die, wo man sich genau erinnern kann, dass es nicht die Leute waren, die da auf den Zettel standen. Rechts war man sich nicht so sicher.
Aber so nach und nach (etwa immer in einem Zeitfenster von 5 Minuten) fällt einem wieder ein: Ach, der wars nicht. Der darf dann wieder nach Links gehen, und jedes Mal wenn das der Fall ist freut sich jemand ein Loch in den Arsch. Ein anderer verliert sich in einem Heulkrampf. Je nach dem, was von der Einzelperson lieber ist, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Oft kommt es auch vor, dass die Leute, die wieder nach Links gehen dürfen, da anscheinend garnicht hin wollen! Soll doch lieber der andere! Der ist doch viel besser!
Ich habe immer größtes Mitleid mit den Menschen, den armen Menschen, die wieder nach Links gehen müssen. Sind schon arme Schweine!
Bis nur noch zwei Rechts stehen.
Dann brauchen wir dringend nochmal Werbung – um wieder runterzukommen, von diesem emotional aufreibenden Hin und Her!
Dass RTL für 30 Werbeskunden manchmal 70000 Euro bekommt, ist nur ein kleiner Nebeneffekt. Dafür kann RTL ja nichts, wenn die Leute so viel bezahlen wollen!
Werbung zu Ende.
Endlich.
Zehn Minuten später ist der unendlich lange Satz: “Und in der nächsten Motto-Show ist……” endlich ausgesprochen!

Ich persönlich habe schon garnicht mehr daran geglaubt!

Das ganze passiert etwa 10 bis 12 mal, bis wir endlich unseren neuen Superstar haben!

Zumindest für einen Moment.
Denn auf abstruse Art und Weise verschwindet der große Superstar irgendwie ganz schnell wieder von der Bildfläche!
Keiner weiß wohin, keiner weiß warum.
Aber das ist auch garnicht schlimm!
Zumal, sobald das der Fall ist, RTL sofort in die Bresche springt und leider wieder, es geht ja nicht anders, eine neue Suche starten muss.
Scheiße auch!
Wohin nur mit dem ganzen Geld?

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