Windgeflüster

“Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!”
(Johann Wolfgang von Goethe)

“Der Wind ist die älteste Stimme der Welt.”
(Donald Culross Peatti)

Wer hört, was der Wind zu erzählen hat?
Der Wind ist alt, der Wind ist weise.
Der Wind kann sehen, der Wind kann hören, der Wind kann singen.
Wenn man die Augen schließt, tief einatmet, sich im Moment fallen lässt, kann man vielleicht hören was er einem zuflüstert.
Man kann zuhören, vielleicht von ihm lernen und, wenn man möchte, auch ein wenig ins Träumen geraten.

Das Auge sieht, das Ohr hört.

Auf einer Wiese, vielleicht ganz in der Nähe, ist heute Sommer.
Die Sonne lacht und strahlt vor sich hin, während ein paar Wolken schweigend ihrer Wege ziehen. Vögel singen fröhlich ihre Lieder, Blumen malen ihre bunten Bilder, und der Wind mischt einen Duft aus Sonne, Wolken, Blumen, Gras und Sommer.
Sie liegt auf der Wiese, auf einer ausgebreiteten, rosa Decke und schaut in den Himmel.
Er liegt daneben, wirft ab und zu einen verlegenen Blick zu ihr rüber, und folgt dann wieder ihren Blicken.
Lange schweigen sie. Sie wechseln Blicke, schauen wieder in den Himmel, schauen sich um, schauen wieder in den Himmel und jeder scheint seinen Gedanken nachzugehen.
Sie: „Es ist schön hier nicht wahr?“
Er: „Ja, das ist es. Es ist so entspannend da zu liegen, und einfach alle Viere grade sein zu lassen.
Sie lächelt ein nichts sagendes Lächeln. Er sieht es nicht.
Sie: „Und dass die Sonne so schön scheint.“
Er: „Ja, das ist wirklich schön.“
Schweigen.
Sie schaut scheu zu ihm rüber. Sein Blick ist immer noch in den Himmel gerichtet, während sie, wie zufällig, ihre Hand etwas näher an seine schiebt.
Als die Berührung da ist, schaut er scheu zu ihr herüber.
Augenkontakt. Eine Minute. Zwei Minuten.
Dann schaut er wieder nervös in den Himmel.
Doch seine Hand nimmt ihre Hand, und seine Finger beginnen langsam die ihren zu streicheln.
Sie lächelt.
Er dreht wieder seinen Kopf.
Sie lächelt immer noch.
Er sieht es.
Sie lächelt immer noch.
Er bewegt sich langsam auf sie zu.
Sie schließt die Augen.

Was das Auge sieht, was das Ohr hört.
Wer hört, was der Wind zu erzählen hat?

Auf einer Wiese, vielleicht ganz in der Nähe, ist heute Sommer.
Die Sonne lacht und strahlt vor sich hin, während ein paar Wolken schweigend ihrer Wege ziehen. Vögel singen fröhlich ihre Lieder, Blumen malen ihre bunten Bilder, und der Wind mischt einen Duft aus Sonne, Wolken, Blumen, Gras und Sommer.
Sie
(bekommt von alle dem nichts mit)
liegt auf der Wiese, auf einer ausgebreiteten, rosa Decke und schaut in den Himmel.
Er
(muss all seine Willenskraft aufbringen, um sie nicht die ganze Zeit anzustarren)
liegt daneben, wirft ab und zu einen verlegenen Blick zu ihr rüber, und folgt dann wieder ihren Blicken.
Lange schweigen sie.
(“Wie schön ist es hier zu liegen, nur mit ihr. Wie lange hab ich darauf gewartet?”)
Sie wechseln Blicke,
(“Was er wohl grade denkt? Denkt er an mich? Will er mich küssen?”)
schauen wieder in den Himmel,
(“Starr sie nicht ständig an, du Vollidiot. Vielleicht mag sie das nicht!”)
schauen sich um,
(“Hängen meine Haare im Gesicht?”)
schauen wieder in den Himmel
(“Warum sagst du denn nichts? Du kannst doch reden! Du langweilst sie nur”)
und jeder scheint seinen Gedanken nachzugehen.
(“Ob ich mich trauen sollte sie zu küssen?”)
(“Hoffentlich will er mich küssen!”)

Sie: „Es ist schön hier nicht wahr?“
(“Oh Gott, sag doch bitte was”)
(“Antworte was! Los!”)

Er: „Ja, das ist es. Es ist so entspannend da zu liegen, und einfach alle Viere grade sein zu lassen.
(“Viere grade sein zu lassen? Was laberst du? Du findest es schön hier weil SIE hier ist. Alles andere ist dir doch scheißegal. Sag es ihr! Los… Sag es ihr!”)
Sie lächelt ein nichts sagendes Lächeln. Er sieht es nicht.
(“Er schaut nicht hin. Los, sag noch etwas, damit er mein Lächeln sieht! Sonst traut er sich ja nie etwas, wenn es will…”)
Sie: „Und dass die Sonne so schön scheint.“
(“Was interessiert mich die Sonne? Die scheint lange nicht so schön wie du…
Sag ihr das! Los!”)

Er: „Ja, das ist wirklich schön.“
(“Feigling!”)
Schweigen.
(“Vielleicht traut er sich nur nicht? Oder will er nicht? Oh Mann. Ich muss irgendwas machen. Lieb lächeln, meinen Blick über die Lippen wandern lassen. Ja, das ist ne gute Taktik.”)
Sie schaut scheu zu ihm rüber.
(“Sie schaut mich schon wieder an. Will sie es auch? Lächelt sie? Ich trau mich nicht sie anzuschauen jetzt. Man ey. Sei doch nicht so nervös. Trau dich was. Los jetzt!”)
Sein Blick ist immer noch in den Himmel gerichtet,
(“Er sieht mich nicht. Ich muss mir was einfallen lassen. Vielleicht wenn ich seine Hand ein wenig berühre. Ja… Das ist eine gute Idee…”)
während sie,
(“Oh Gott, mein Herz schlägt wie wild. Hoffentlich hört er es nicht.”)
wie zufällig,
(“Na los jetzt. Es wird schon klappen.”)
ihre Hand etwas näher an seine schiebt.
Als die Berührung da ist,
(“Oh Mann. Ist das ihre Hand? War das jetzt Absicht?”)
schaut er scheu zu ihr herüber.
(“Was mach ich jetz?”)
Augenkontakt.
(“Na los, küss sie!”)
(“Küss mich”)
(“Trau dich trau dich trau dich”)
(“Wie lange dauert´s denn noch?”)
(“Vielleicht will sie das gar nicht?”)
(“Vielleicht will er gar nicht?”)

Eine Minute.
(“Aber du musst es wenigstens versuchen!”)
(“Ist er zu schüchtern? Vielleicht sollte ich den ersten Schritt machen?”)
(“Und wenn sie nicht will?”)
(“Ich muss irgendwas tun. Lächeln. Blinzeln. Oh mein Herz. Ich halts gleich nicht mehr aus”)
(“Du wirst es nicht wissen wenn du dich nicht traust”)
(“Oh Gott, bitte küss mich!”)
(“Küss sie!”)

Zwei Minuten.
(“Küss mich…!”)
(“Küss sie!! Los jetzt!!”)

Dann schaut er wieder nervös in den Himmel.
(“Oh du elender Feigling!!”)
(“Er will nicht. Ich habs gewusst…”)

Doch
(“Na los. Nimm deinen ganzen Mut zusammen. Jetzt nimm ihre Hand, und schau wie sie reagiert. Los”)
seine Hand nimmt ihre Hand,
(“Er will doch, jetzt ist es sicher gleich soweit. Nur nichts falsch machen. Ich muss ganz ich selbst sein”)
(“Sie hat die Hand nicht weggenommen. Reicht dir das nicht als Zeichen? Los! Trau dich jetzt”)

und seine Finger beginnen langsam die ihren zu streicheln.
(“Das fühlt sich toll an. Mehr davon. Los mein Hübscher. Trau dich endlich.”)
Sie lächelt.
(“Schau mich an. Ich will!”)
(“Schau sie an. Egal wie tief dir das Herz in die Hose rutscht.”)

Er dreht wieder seinen Kopf.
(“Lächelt sie? Schaut sie mich an?”)
Sie lächelt immer noch.
(“Oh Gott, sind meine Haare im Gesicht? Gleich passierts. Hoffentlich mach ich nichts falsch”)
Er sieht es.
(“Sie lächelt. Sie lächelt dich an. Küss sie. Na los!”)
Sie lächelt immer noch.
(“Jetzt. Jetzt. Er traut sich. Endlich.”)
Er bewegt sich langsam auf sie zu.
(“Hör auf nachzudenken du Depp. Tu es jetzt einfach”)
(“Küss mich… Küss mich… Küss mich…”)

Sie schließt ihre Augen.

Wer hört, was der Wind zu erzählen hat?

2 Kommentare zu „Windgeflüster“

  • Alex:

    Diese Geschichte ist schon etwa 2 Jahre alt. Ich habe sie in einem Board schon einmal veröffentlicht, da mich die Damen dort tatkräftig bei der Fertigstellung dieser Geschichte unterstützt haben.
    Es gibt nur wenige Geschichten, für die ich mir derart den Kopf zerbrechen musste. Es ist wirklich schwer Gedanken / Gefühle in dem Moment vor dem ersten Kuss in Worte zu fassen. Ich hoffe es ist mir gelungen. Über ein wenig Feedbach würde mich freuen.

    Es grüßt: Der Autor

  • Ich:

    Kommt mir so bekannt vor…. Ich hab das genau so schon mal erlebt…. aber bei mir war es beim zweiten Kuss so ;)

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