Wenn ich einmal sterbe

… bleibt dann etwas von mir in der Welt?

Gestern hatte ich ein Gespräch, das mich darüber nachdenken lässt, ob ich dieser Welt etwas hinterlasse.
Die Frage ist auch: Will ich überhaupt etwas hinterlassen? Und wenn, warum?

Nichts ist so vergänglich wie das Leben. Jeder von uns weiß, auch wenn man es gerne ausblenden will, dass er irgendwann auschecken muss.
Und vielleicht möchten die meisten auch nicht vergessen werden, wenn sie das Schiff mal verlassen haben.

Wenn man darüber nachdenkt, dann geht es doch eigentlich nur um Bestätigung. Man wünscht sich Anerkennung. Ein einfaches auf die Schulter klopfen das sagt: “Du hast das echt gut gemacht”.
Aber brauche ich diese Bestätigung noch wenn ich tot bin? Wie ich mir den Tod vorstelle, ist mir danach sicherlich herzlich egal, ob jemand mich vergisst, oder ob da noch irgendwas von mir ist, oder auch ob ich nur negative Dinge hinterlasse. Ich bin ja schließlich nicht mehr da – und ob ich im Himmel noch so etwas wie Bestätigung brauch weiß ich nicht.

 

Solange ich lebe ist es z.B. ein schöner Gedanke, dass eine Geschichte aus meiner Feder schon Gegenstand einer oder zwei Schulstunden gewesen ist. Vielleicht wird sie noch mehr Schulstunden füllen, vielleicht werde ich noch mehr Geschichten schreiben, die es in den Schulunterricht schaffen, vielleicht auch über mein Leben hinaus.
Aber wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, an Gedichte oder Geschichten die im Unterricht bearbeitet wurden, dann weiß ich zwar von den Geschichten, aber meist nichts von den Autoren.
Eine Geschichte die mir im Gedächtnis geblieben ist, ist z.B. von irgendeinem Jungen in irgendeiner Mensa, oder Cafeteria, oder irgendsowas. Der Junge verlässt kurz seinen Platz um irgendwas zu holen. Als er zurückkommt sitzt da ein anderer Junge, ein schwarzer glaube ich, und löffelt seine Suppe rein. Ohne was zu sagen setzt sich der Junge an seinen Tisch und löffelt ohne Worte mit seine Suppe. Der Schwarze steht irgendwann auf, holt Spaghetti und zeigt mit Gesten, dass sie wieder gemeinsam essen. Der Junge denkt sowas wie: “Wenn er meine Suppe gegessen hat, ess ich auch von seinen Spaghetti.” Dann essen sie die Spaghetti, und irgendwann merkt der Junge, dass er sich an den falschen Tisch gesetzt hat und seine Suppe unberührt und kalt noch da steht. Am Ende lachen beide darüber.
Das ist mir im Gedächtnis geblieben. Wer das geschrieben hat? Keine Ahnung. Ich weiß weder den Namen noch was er oder sie für ein Mensch war. Und ich glaube das geht den meisten Menschen so, die diese Geschichte lesen.
Ist es das was ich hinterlassen will?
Ich bin kein Shakespeare, und auch wenn ich sehr gerne lese was der geschrieben hat – so weiß ich doch nichts wirklich über ihn. Vielleicht war er ein Arschloch, an den ich mich, hätte ich ihn persönlich gekannt, nicht gern erinnert hätte?

Neulich habe ich eine Dokumentation über die Hart-Familie gesehen. Das sind / waren Kanadier. Eine große und einflussreiche Wrestlingfamilie.
Bret Hart ist wohl der bekannteste Sproß dieser Familie.
Hinter der ganzen Beweihräucherung, und abgesehen von dem großen Wrestlinggeschäft, und der Bekanntschaft, und dem Geld, und den Skandalen und und und… ist mir vor allem aufgefallen, wie ehrfürchtig die Kinder und Enkel von Stu Hart gesprochen haben.
Für sie war er wohl ein großer Mann – und das nicht weil er viel erreicht hat. Sondern weil er allen etwas mit auf den Weg gegeben hat. Weil er einerseits viel Geld verdient und Luxus gelebt hat, und in anderen Zeiten – danach – auch durch Scheiße gewatet ist um seiner Familie immer Essen auf den Tisch zu bringen.
Er war sicherlich nicht perfekt – und hat sicherlich auch unheimlich viel falsch gemacht.
Aber am Ende bleibt: “Mein Vater war ein großer Mann”.

Auch eine Hinterlassenschaft.
Eine vergängliche vielleicht. in 2, 3 Generationen wird man vielleicht noch den Namen kennen – und vielleicht ein paar Geschichten, aber irgendwann sind die auch verschwunden.
Aber wenn ich die Wahl habe zwischen:
– Meine Geschichten bleiben auf der Welt

und

– Meine Kinder sagen: Mein Vater war ein guter Vater

entscheide ich mich wohl für das Zweite.

Die ganze Welt kann mir egal sein – solange ich etwas in meiner kleinen Welt hinterlasse.

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