Hallo Welt

Ich schreibe dir, weil ich nicht mehr ganz so sicher bin, was ich von dir halten soll.
Da sind Zweifel. An dir, an mir, an den Menschen um mich herum, an dem ganzen Konstrukt.
Ich weiß, sowas wie gut und schlecht, oder gut und böse sind Dinge die ohneeinander nicht sein können. Wo es Licht gibt, da gibt es auch Schatten und ohne das Unglück kann es so etwas wie Glück nicht geben.
Ich war auch immer der Meinung, dass es sich die Waage hält. So gibt es mindestens so viele gute Dinge, schöne Dinge, wie es schlechte, hässliche Dinge gibt. Und das ist Okay! Ja, manchmal ist es schon ungerecht verteilt, so wie überall im Leben. Der eine hat mehr Glück, der andere hat weniger Glück. Aber auch das ist Okay, denke ich, denn wenn alles gleich wäre, wäre es doch schrecklich eintönig auf der Welt.
Aber, und das ist inzwischen ein großes ABER, ich empfinde inzwischen ein großes Maß an Wut. Während die einen mit ihren fetten faulen Ärschen auf Schlössern trohnen, die festen Grund haben und durch nichts zu erschüttern sind, verbringen andere die meiste Zeit damit, ihren kleinen Turm aus Jenga-Steinen, dem schon etliche Steine fehlen und der nur am Wackeln ist, irgendwie aufrecht zu erhalten. Der Fettarschschlossbesitzer jammert darüber, dass es in einem seiner Zimmer ein wenig zu viel Durchzug gibt, während der Jengaturmbauer irgendwie versucht die Löcher zu stopfen, die DU da rein gestoßen hast und durch die Wind und Wetter in die kleine Zuflucht hereingelassen wird. Und weißt du was das Komische daran ist? Oft hör ich Fettarschschlossbesitzer jammern, und nur ganz selten die Jengaturmbauer.
Es ist, etwas überspitzt ausgedrückt, meistens so, dass der Fettarschschlossbesitzer mit dem Umstand nicht leben kann, dass es ein wenig Durchzug gibt. Er jammert, keiner kann sein Leid verstehen. Er ist so geplagt und bestraft vom Leben.
… und er Jengaturmbauer denkt gerne: “Ach zum Glück habe ich einen wackligen Turm, ich könnte auch im Freien sitzen.” Und gibt dem Fettarschschlossbesitzer einen seiner Steine, damit er sein Durchzugsproblem lösen kann.
Das ist natürlich nicht bei allen so. Vielleicht nicht mal bei vielen. Viele jammern weil sie Grund haben zum Jammern, und viele jammern nicht, weils keinen Grund zum Jammern gibt.
Aber es gibt diese Fettarschschlossbesitzer und diese Jengaturmbauer. Und das macht mich ungeheuer wütend!
Es ist unfair. Es ist einfach unfair, dass X jammert, weil er sich nicht entscheiden kann was er denn essen soll, während Y etwas aus Resten zusammenmixen muss und sich freut, dass er heute wieder ein kleines bisschen was Besonderes, für sich und seine Familie, gezaubert hat.
Es ist einfach unfair, dass X jammert, weil seine Mutter ihm auf den Sack geht, während Y froh ist, dass er noch Geschwister hat, nachdem die Mutter schon gestorben ist.
Es ist einfach unfair, dass X jammert, weil er sein Auto alle jeden Monat für 4 Tage verleihen muss, während Y sich freut, dass er ganze 4 Tage im Monat lang ein Auto fahren darf, wenn er es denn darf und X es “erlaubt”.
Es ist einfach unfair, dass X jammert, weil er ab und an sich mal erkältet, während Y wirklich froh ist, dass er noch am Leben ist, nur alle paar Tage Schmerzen hat und die nächste Operation noch ein paar Monate hin ist.
Es ist einfach unfair, dass X jammert, weil er meint er wäre zu Größeren geboren und die Arbeit wäre unter seinem Niveau, während Y froh ist, dass er für 4 Euro die Stunde Drecksarbeit machen kann um seine Familie durchzubringen.
Es ist einfach unfair, dass X jammert, weil ihm die Mama nicht schon wieder das neue iPad kaufen will, während Y mit 20 Euro im Monat Taschengeld haushaltet, und sich darüber freut, dass er sich was kleines gönnen kann.
Es ist einfach unfair, dass X jammert, weil seine 300 Euro Jacke nach einem halben Jahr etwas verbleicht ist, während Y sich freut, dass die Jacke, die schon sein großer Bruder getragen hat, ihn warm hält.

Ich kann dann nicht so viel essen wie ich kotzen möchte.
Das, liebe Welt, ist etwas was du dringend mal irgendwie beibiegen musst.

Ich ertrage gerne alles was du mir auferlegst. Es gibt so viele schlechte Dinge in meinem Leben. So viel was schiefläuft, jeden Tag. So viele, dass ich meine eigene Daily Soap namens “Alle meine Scheiße” haben kann, die von der Mehrheit verrissen wird, weil sie ein echt beschissenes, realitätsfernes Drehbuch hat.
Aber hey. Es gibt so viele schöne Dinge in meinem Leben. Und wenn sie noch so klein erscheinen.
Ich habe ein Dach übern Kopf, und jeden Tag etwas zu essen. Ich verdiene genug Geld für mich, und genug um auch mal dem ein oder anderen aus der Patsche helfen zu können.
Wer zum Teufel wäre ich, wenn ich tatsächlich jammern würde? Ich würde mich vor mir selber ekeln, wenn ich denken würde: Ich bin das arme Schwein der Gesellschaft. Und es macht mich wütend, wenn manche auf mich herabschauen – und jammern.

Es ist deine Schuld, Welt, dass die meisten Menschen erst zu schätzen wissen was sie haben, wenn sie es nicht mehr haben. Man muss erst etwas verlieren, um an Einsicht zu gewinnen. Das hast du nicht gut gemacht. Das ist dumm. Das ist gemein. Wenn schon, dann mach wenigstens alle so. Dann können wir gemeinsam jammern, wie ein großer jämmerlicher Chor.

Ja. Die meisten können nichts dafür. Ich weiß.
Aber heute ist so ein Tag, bzw die letzten Tage sind so Tage, in denen ich volle Kanone in die Jauchegrube gezogen wurde, darin liege und stinke wie die Hölle, während Menschen vorbeilaufen und in Panik und Depression geraten, weil sie einen Fleck an der Hose haben.

Was für Gottverdammte Idioten!
Scheiß undankbarer Haufen!

Viele Grüße

Alex

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