Bewegte Bilder…

Beim Streifen durchs  Netz hab ich heut ein Bild gesehen. Es ist eine Aufnahme von einem Formel1-Rennen.
Der 3. Juni 1973 beim großen Preis von Monaco.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass hier ein Fahrer einen Unfall hatte, sein Auto brennt und er traurig wegläuft weil er ausgeschieden ist.

bewegtes Bild

Dem ist aber nicht so. Der Rennfahrer der da mit gesenktem Haupt steht war David Purley. Im brennenden Auto im Hintergrund saß sein Teamkollege, Roger Williamson, der ein paar Minuten vorher verunfallt ist.
Die Geschichte aus Wikipedia:

Brennend rutschte Williamson kopfüber die Strecke entlang und kam schließlich auf der anderen Seite der Strecke an den Leitplanken zum Stehen. Vom niederländischen Fernsehen live übertragen, wurden Millionen von Fernsehzuschauern zwangsläufig Zeugen einer grässlichen Szene. Gleichzeitig ließ sich hierdurch rekonstruieren, welche zahlreichen Mängel in der Organisation zu diesem tragischen Unglück führten.

Williamsons Fahrerkollege David Purley fuhr zu diesem Zeitpunkt ungefähr 100 m hinter Williamson und erkannte sofort die Schwere des Unfalls. Er hielt sein Fahrzeug am linken Streckenrand an, kurz hinter der Stelle, an der Williamsons March in die Leitplanken eingeschlagen war. Er stieg aus, überquerte die Rennstrecke und lief an zahlreichen brennenden Trümmerteilen entlang zum Wrack von Williamsons Fahrzeug. In diesem Moment überquerten auch zwei Streckenposten die Fahrbahn, die jedoch nicht mit hitzebeständiger Bekleidung ausgerüstet waren und sekundenlang hilflos neben dem brennenden Wagen standen. Purley, der bereits mehrfach erfolglos versucht hatte, den March von Williamson umzustürzen, gestikulierte in Richtung der Naturtribüne auf der anderen Streckenseite, ehe von dort endlich ein Feuerwehrmann mit einem Feuerlöscher über die Leitplanke stieg. Der verzweifelte Purley eilte ihm entgegen, entriss ihm den Feuerlöscher mitten auf der Fahrbahn und eilte zurück an die Unfallstelle. Dort gelang es ihm zunächst nicht, den Feuerlöscher in Gang zu bringen. Purleys nachfolgende Löschversuche mit dem Handlöscher waren in Ermangelung einer entsprechenden Ausbildung nicht professionell und auch scheinbar von Panik begleitet; ebenso hilflos wie der Versuch des Feuerwehrmanns, die Flammen durch Aufwirbeln von Sand mit den Schuhen zu ersticken.

Einer der Streckenposten versuchte erfolglos, einen Notruf an die Rennleitung abzusetzen. Da es im Rennleitungsbüro keinen Fernsehapparat gab und der Notruf des Streckenpostens offensichtlich sein Ziel niemals erreichte, erfuhr man dort zunächst nichts vom Unfall und fehlinterpretierte die aufsteigenden Qualmwolken als Lagerfeuer von Zuschauern. Da zahlreiche Fahrer ohne sichtliche Verminderung der Geschwindigkeit passierten und somit die Rundenzeiten konstant blieben, entschied sich Rennleiter Ben Huismann, das Rennen weiterlaufen zu lassen.

Währenddessen ging der Inhalt des Feuerlöschers, den Purley bediente, zur Neige. Bei den Kommentatoren des niederländischen Fernsehens machte sich inzwischen Unruhe breit. „Wir wissen nicht, ob dort noch ein Mann drin ist“, erklärte Sportjournalist Frans Henrichs den Fernsehzuschauern die Lage. Nach einer kurzen Pause fügte er an: „Vermutlich nicht …“

Erneut gestikulierte Purley, bat die Gruppe von Feuerwehrleuten und Streckenposten, die tatenlos neben dem Wrack standen, mit ihm zusammen das Fahrzeug umzustürzen. Als diese nicht reagierten, winkte er verzweifelt in Richtung der Naturtribünen auf der anderen Streckenseite. Dort hatten sich – vom Fernsehbild nicht gezeigt, aber von Augenzeugen bestätigt – einige Zuschauer auf den Weg zur Unfallstelle gemacht, wurden jedoch von einem Polizisten mit einem Schäferhund am Betreten der Rennstrecke gehindert.

Wenige hundert Meter hinter der Unfallstelle stand ein voll ausgerüsteter Löschwagen der Feuerwehr, der den Brand in kurzer Zeit unter Kontrolle hätte bringen können. Doch es war den Rettungskräften zuvor strengstens untersagt worden, Einsatzfahrten entgegen der Rennfahrtrichtung zu unternehmen.

Kurz darauf wurde Purley von einem Streckenposten von der Unfallstelle abgeführt, riss sich jedoch von ihm los und blieb sekundenlang schimpfend mitten auf der Fahrbahn stehen, bevor er schließlich mit gesenktem Haupt zurück zu seinem geparkten Fahrzeug an den anderen Streckenrand ging. Für Williamson gab es zu diesem Zeitpunkt bereits keine realistische Überlebenschance mehr. Erst jetzt erkannten die Fernsehkommentatoren das wahre Ausmaß des Unglücks, hatten sie doch bislang vermutet, es handelte sich bei dem verunglückten Fahrer um Purley, der sein eigenes Fahrzeug zu löschen versuchte.

Das ganze im Video:

Betrachtet man das Bild jetzt mit diesem Wissen, finde ich es unglaublich wie der derjenige, der dieses Foto geschossen hat, diese Situation einfangen konnte. Diese Bild spiegelt für mich genau das das wieder, was im Kopf von David Purley vorgegangen sein muss.
Diese Hilflosigkeit. Dieses Unverständnis für das was passiert ist, und dass niemand wirklich etwas getan hat / tun konnte. Das Gehen müssen, während dort drüben ein Freund stirbt.
Zum Glück hat sich die Formel 1 seitdem entwickelt – und so etwas kann so nicht mehr passieren.
Hat mich sehr bewegt dieses Bild. Schlimme Geschichte!

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