Recherchieren für Anfänger – oder: Wer ist Jan Gaspard?

Als Journalist hat man eine Aufgabe.
Informieren.
Der Journalist informiert sich, und dann versorgt er den Endabnehmer mit diesen Informationen. Dabei hat er eine große Verantwortung – Richtigkeit.
Man erwartet von einem Journalisten, dass er von dem, was er dem Endabnehmer erzählt, auch wirklich Ahnung hat. Dass er sich schlau gemacht hat, dass er geprüft hat.

Das ist heutzutage nicht mehr ganz einfach. Der Informationshaufen, der heute fast jedem zugänglich dank dem Internet ist, ist riesig! Vieles davon ist Halbwissen, vieles davon ist Unsinn, vieles davon ist parteiisch, vieles davon ist unsicher, vieles davon sind Gerüchte.
Daher ist das Internet als Quelle immer unsicher.

Heute wollen wir uns aber nicht mit der Beschaffung von Informationen beschäftigen, und dessen Tücken, sondern mit dem Gegenteil.

Das Vertuschen von Informationen.

Ein Journalist lebt davon, vertuschte Informationen an das Tageslicht zu bringen. Es ist seine Aufgabe dort zu finden, wo andere noch nicht einmal suchen. Es ist seine Aufgabe sich auf Tuchfühlung zu begeben, und geduldig zu sein.

Das Vertuschen von Informationen ist mit dem wachsenden Internet immer schwieriger geworden. Eine Botschaft die über Mundpropaganda vor Jahren noch Wochen von A nach B gebraucht hätte, erreicht heute in wenigen Minuten tausende, manchmal, je nach Brisanz, Millionen Menschen.
Danach ist es nicht mehr zu tilgen. Einmal im Netz ist immer im Netz – ein festes Gesetz.
Ein Journalist macht sich das zu Nutze.

Deswegen spielen wir heute:

“Recherchieren – Crashkurs“
Und du, werter Leser, bist herzlich eingeladen.
Wir werden gemeinsam einem Geheimnis auf den Grund gehen. Es ist kein großes Geheimnis, und auch kein besonders wichtiges. Aber das soll auch nicht die Motivation sein. Die liegt eher im Spaß.

Zentrale Frage:

Wer ist Jan Gaspard?

Falls sich jemand erinnert ist dieser Herr vor einige Zeit dem Kollegen Thomas sehr sauer aufgestoßen, als er eine seiner Kritiken zensierte und und ihn für das entsprechende Forum einfach sperrte. Er suchte nun etwas, um den Herren ans Bein zu pinkeln – und da lag es nahe herauszufinden wer sich hinter diesem Namen verbirgt – und ihm das auf die Nase zu binden.

Die meisten Leute, wie auch anfangs ich, werden von diesem Namen nie etwas gehört haben.
Aber Aufgabe ist Aufgabe, dachte ich mir, und so begann ich meine Recherchen.
Mein Werkzeug war das Internet.

Mein erster Schritt war, um mir einen groben Überblick zu verschaffen, Wikipedia.
Nun muss man dazu anmerken, dass man Wikipedia auch wirklich nur als groben Überblick verwenden kann. Wer in Wikipedia auf Richtigkeit und Vollständigkeit setzt, wird oft böse Überraschungen erleben.

Dort ergab die Suche nach „Jan Gaspard“ allerdings keinen wirklichen Artikel. Doch tauchte der Name im Artikel „Offenbarung 23 (Hoerspiel)“ auf.

Wikipedia, das sich auf den Internet-Auftritt des Hoerspiels beruft, beschrieb den Autor der Serie wie folgt:
Autor Jan Gaspard ist einer der verwegensten Rechercheure des 21. Jahrhunderts. Ein Mann mit vielen Biographien. 64 verschiedene Visitenkarten geben seine augenblickliche Existenz wieder.

Das Hoerspiel um das es geht wird wie folgt beschrieben:
Offenbarung 23 ist eine Hörspielserie und eine Roman-(Hörbuch)-Reihe, die verschiedene Verschwörungstheorien fiktional mit Versatzstücken der Realität aufgreift.

Also hab ich mich als Erstes mit der Arbeit von Herrn Gaspard vertraut gemacht.

Das Hoerspiel greift bekannte wie unbekannte Verschwörungstheorien auf. Fragen, die manchmal schon seit Jahrzehnten, nach einer Antwort suchen.
Beispiele:
Wer erschoss JFK?
Was steckt hinter 9/11?
Waren wir wirklich auf dem Mond?
Wer war Jack The Ripper?

Die Suche nach den Antworten wird in eine Rahmenhandlung gepackt und aufgearbeitet. Die Theorien unterscheiden sich meist von den bekannten Theorien.
Der Anteil an „Fakten“ und „Fiktion“ ist nie ganz ersichtlich – verschwimmt – und zum Schluss sind Antworten gefunden, die einer „Fakten-Überprüfung“ nicht standhalten können.
So wird behauptet dass Jack the ripper, der Sherlok Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle war. Die Verschwörungstheorie zur Mondlandung wäre von der Regierung selbst in die Welt gesetzt worden, um JFK zu diskreditieren.
Verschwörungs-Fans werden mit seiner Arbeit sicherlich voll auf ihre Kosten kommen.

Ob Herr Gaspard Realitätsanspruch auf seine Theorien erhebt, wird nie ganz ersichtlich. Durchforstet man jedoch entsprechende Online-Foren, trifft man unweigerlich darauf, dass er selbst von seinen Theorien überzeugt ist.
Dies wird wohl, so dachte ich anfangs, auch der Grund sein warum er unter einem Pseudonym schreibt. Glaubt er wirklich an seine eigene Arbeit, so muss er ungeheure Angst haben, dass man ihn zum Schweigen bringen will.
Nun ist es schwierig jemanden zum Schweigen zu bringen, von dem man nicht weiß wer es ist. Also scheint dies der einzige Weg zu sein, die Menschheit mit der Wahrheit vertraut zu machen.

Betrachtet man das ganze allerdings etwas differenzierter, drängt sich ein anderer Eindruck auf. Marketing. Geheimnisse, Gefahr, das Unbekannte, das Verbotene. Das wirkt sehr anziehend, ist die Neugier doch eine der stärksten Eigenschaften der Menschheit.
Das was echt aussieht, als echt verkauft wird, wirkt nun mal viel anziehender als Dinge, die offensichtlich der Fantasie entspringen.

Im Zuge unserer gemeinsamen Recherche-Arbeit, lieber Leser, mach dich doch ein wenig schlau über die Theorien, und bilde dir eine eigene Meinung.

Die öffentliche Meinung sah jedoch, mit der Zeit, einen Rückgang der Qualität der Hoerspiele. Die Verkaufzahlen schwanden immer weiter.
Irgendwann kam es zum Bruch zwischen Autor und Hoerspiel-Verlag. Worauf der sich begründet, was vorgefallen ist oder nicht – darüber lies sich nichts herausfinden.
Über den Rechtstreit dahinter, und über die schmutzige Wäsche die darüber gewaschen wurde, darüber findet man allerdings viel.
Auch, dass das Hoerspiel, so wie es mal war, nicht mehr existieren wird – trotz neuen Autorenteams.

Seitdem ist einige Zeit vergangen. Herr Gaspard zeichnet sich inzwischen als Redakteur von „nexworld.tv“ verantwortlich. Ein sehr fragwürdiges Videoportal, auf das ich aber jetzt nicht weiter eingehen will. Vielleicht ein ander Mal.

Man sieht, eine Fülle von Informationen. Aber leider nicht die, die wir haben wollten.
Ich durchforstete weiter Online-Foren, alte Artikel, das eigene Forum des Autors und verlangte Google alles ab. Doch fündig wurde ich nicht.
Wer steckt hinter diesem Journalisten der, laut eigenen Angaben, schon für große deutsche Printmedien gearbeitet hat, und auch der Öffentlichkeit bekannt gewesen ist?

Mein Fleiß wurde belohnt.
Ironischerweise war es Wikipedia, was mir Schlussendlich die Antwort lieferte.

Ich könnte es dir einfach sagen, aber wo bliebe dann der Lerneffekt, mein lieber Leser?
Nein. Aber ich sage dir den Weg.

An Wikipedia arbeiten Millionen Menschen mit. Jeder kann sein Wissen beitragen. Dafür ist aber auch eine Kontrolle notwendig. Diese Kontrolle erlaubt es, einen Artikel der bearbeitet wurde, in seiner vorherigen Version zu betrachten. Gespeichert werden alle Versionen – von Erstellung des Eintrags, bis heute.
Klickt man über dem Artikel auf: „Versionen/Autoren“ bekommt man eine Aufstellung aller Änderungen die vorgenommen wurden.
Nun wird es so gewesen sein, dass als der Rechtstreit zwischen Autor und Verlag ausgebrochen ist, das Marketing ohnehin hinten angestellt wurde, und jemand, der entsprechende Informationen hatte, keinen Grund mehr sah sie zurückzuhalten.
Interessant für dich, mein lieber Leser, sind die Versionen der letzten 2 Monate des Jahres 2008.

Mit dem Wissen, und einer Suche des Namens in Google, bekommt die Frage: „Warum ein Pseudonym?“ plötzlich ein ganz neues Bild.
Die Infos, die Google sehr schnell liefert, tun mindestens eine weitere mögliche (und vor allem pikante) Antwort auf, warum unter einem Pseudonym geschrieben wurde.
Lieber Leser, finde es raus. Die Antwort ist mindestens ein schmunzeln wert!

Viel Spaß beim Recherchieren!

Abschließend haben wir nun unsere Antwort gefunden. Wir haben etwas über Verschwörungen gelernt und sind in die Tiefen von Wikipedia eingetaucht. Wer weiß nur, welche „unentdeckten“ Informationen noch in der großen Enzyklopädie schlummern.

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