Lenken lernen…

Los, Hände hoch, wer erinnert sich ans Fahrradfahren lernen? Bei manchen ist es lange her. Bei anderen noch länger. Bei wieder anderen garnicht lange – und manche habens nie gelernt.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich anderen beim Radfahren zugeschaut hab. Ich muss so 4, oder 5 gewesen sein. Mein “großer” Bruder hatte damals ein BMX und ist schon etwas länger vor mir rumgefahren. Und die, die schon fahren konnten, die waren so cool! Ich war so neidisch – und als ich mein erstes Rad mit Stützrädern bekommen hab, war ich schon ein ganzes Stück cooler!
Wirklich schnell war ich aber nicht. Mit dem kleinen Ding sind mir immer alle vor der Nase weggefahren. Und ich gebe zu, selbst mit den Stützrädern, war mir das ganze nicht geheuer. Ich hab es meist vorgezogen mein Rädchen zu schieben.
Als meine dann Mutter gesagt hat sie bringt mir das Fahrrad fahren bei, hatte ich vor allem eins: eine scheiß Angst!
Das Fahrrad war ein ganzes Stück großer als mein Stützrädchen, und es hatte keine Stützräder ;-) Lange habe ich versucht mich zu drücken – aber irgendwann muss man ja mal da durch, nicht wahr?
Ich weiß nicht mehr was für ein Tag es war – ich glaube ich war 5 – aber ich kann mich noch genau an den Ort erinnern. Ganz in der Nähe von unserem Zuhause – ein Weg den man mit Hunden gelaufen ist, eine schnelle Runde. Ich kann mich genau erinnern, dass meine Mutter mir schwören musste, das Fahrrad nicht loszulassen. Mit dem Rad hinzufallen ist schließlich das schlimmste, was sich so ein junger Verstand ausmalen kann.
Ich weiß zwar nicht mehr genau wie lange es gedauert hat, ob ich ein Tag, oder zwei, oder auch drei gebraucht hab. Aber es war eine Qual! Mütter können so grausam sein. Sie hat NATÜRLICH losgelassen. Und sie hat es mir erst nicht gesagt. Aber ich war ja nicht dumm – deswegen habe ich immer wieder nach hinten geschaut, und sie auch bei ihrem “Verrat” erwischt.
Ich bin dabei sogar, trotz Weggabelung die ich lange lange lange vorher schon gesehen hab, gradeaus in die Wiese gefahren und hab mich voll hingelegt.
Und soll ich dir was sagen? Trotz lebensgefährlichen Schocks und der Entrüstung über den Verrat einer Mutter an ihren zweitgeborenen Sohn – so schlimm wars garnicht.
Ich hab mir ein Bisschen was aufgeschürft, bin wieder aufgestanden und habe mich, unter Tränen und schimpfend, wieder aufs Rad gesetzt und es weiter versucht. Und weiter, und weiter.
Irgendwann war es ganz ok, wenn sie losgelassen hat. Und bald schon, bin ich wie ein blöder durch die Weltgeschichte gerast.
Seither bin ich weit mehr als einmal hingefallen. Ich habe mir Knie aufgeschlagen, die Ellbogen, den Kopf. Ich lag sogar mal halb auf der Motorhaube eines Autos. Und doch steig ich immer wieder aufs Rad – um das Gefühl von Geschwindigkeit und Wind zu spüren.

Was will er uns jetzt damit sagen?
Keine Ahnung.

Aber ich glaube die Geschichte ist ähnlich wie viele andere im Leben.
Lässt sich anwenden auf die Schule.
Aufs Schwimmen.
Auf die Liebe.

Das Prinzip bleibt das gleiche.
Nur die wenigsten lernens gleich – die meisten legen sich mehr als einmal auf die Nase beim Versuchen.
Man darf nur nicht liegen bleiben. Man muss wieder aufstehen. Nochmal versuchen, und nochmal. So lange bis es wie von selbst geht und man sich dann fragt – war das jetzt wirklich so schwer?

Die Zutaten sind die selben:
– Der Wille es zu lernen / Es wollen
– Vertrauen in sich selber
– Manchmal jemanden der einem das Rad hinten festhält / die Hand hält. Der einen hochhilft wenn man gefallen ist.
– Geduld, manchmal sehr viel davon.

Und niemals aufhören es zu versuchen.
Irgendwann ist es soweit.
Auch wenn es Jahrzehnte dauert.

Es ist es wert. Das ist es immer.

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