Herr Lustig

Ja. Jetzt denken sicher viele an den Herrn Lustig, den wir alle aus dem Kinderfernsehen kennen. Peter Lustig, dem lustigen Onkel, der uns immer alles so schön erklärt hat. Auch ich habe gerne zugeschaut, wenn der Löwenzahn aus der Straße gewachsen ist.

Aber heute sprechen wir über einen anderen Herr Lustig.
Herr Viktor Lustig.
Schon mal gehört?

Im späten 19ten Jahrhundert geboren, hat er seinem Namen alle Ehre gemacht.
Gleich vorne weg: Der Mann war ein Verbrecher. Wir dürfen nicht gut heißen was er getan hat. Aber man muss ihm zu Gute halten, dass mancher Coup echt zum Lachen anregt, und man ihm dann eigentlich garnicht mehr böse sein kann.

Mein Lieblingsbeispiel ->

Wir verkaufen den Eifelturm.

Wir schreiben das Jahr 1925 in Paris. Viktor Lustig kommt auf eine Idee, auf die man erstmal kommen muss.
Er gibt sich als hoher Regierungsbeamter aus, lässt sechs angesehene Schrotthändler zusammen kommen, und erzählt seine Geschichte.
So unglaublich das auch klingen mag, so weit hergeholt ist sie dann doch nicht. Der Eifelturm war für die Weltausstellung gebaut worden. Dass er so lange überdauert war nie geplant. Der Unterhalt war teuer, die Instandhaltung sehr aufwending.
Genau das erzählte er auch, fast schon wahrheitsgetreu, den Schrotthändlern. Natürlich unter strengster Geheimhaltung.
Herr Lustig war ein schlauer Mann. Er wusste genau wen er wie anpacken musste, um den gewünschten Effekt zu erreichen.  So suchte er sich den unsichersten von Allen heraus, und ließ ihn nochmal alleine antanzen – unter größter Geheimhaltung – um sich ein Schmiergeld bezahlen zu lassen.

Der Schrotthändler erhält den Zuschlag, bezahlt, und Herr Lustig macht sich sofort aus dem Staub – in der sehr realistischen Annahme sehr bald aufzufliegen.
Doch, dem Schamgefühl des Menschens sei Dank, war dies nicht der Fall. Dem geprellten Schrotthändler war die ganze Sache so peinlich, dass er nicht zur Polizei ging. Niemand sollte davon erfahren.

So dauerte es nur einen Monat, bis Herr Lustig wieder Schrotthändler antanzen ließ. Diesmal wurde jedoch jemand misstrauisch – der Betrüger war enttarnt.

Ihm blieb nur die Flucht.

Gleiches habe er, Gerüchten zufolge auch in England versucht. Man erzählt sich, er habe einem Amerikaner den Buckingham Palace zum Kauf angeboten. Für ein bevorzugtes Behandeln bei der Ausschreibung ließ er sich immer wieder ein kleines Schmiergeld zustecken.

Wir prellen den Mafioso

Sogar den großen Al Capone hat er geprellt. Nicht wie es die meisten anderen versucht hätten – Herr Lustig war ein schlauer Mann. Er ging auf Capone zu, und erklärte ihm, er könne aus 50000 Dollar in 60 Tagen 100000 Dollar machen. Warum Capone auf diesen Deal eingegangen ist, darüber ließe sich streiten. Wahrscheinlich wusste er, dass so mächtig wie er war, keiner die Dreistigkeit, ihn um Geld zu prellen, überleben würde.

Nach 60 Tagen brachte ihm Herr Lustig seine 50000 Dollar wieder. Es habe nicht funktioniert. Es tue im schrecklich leid. Seine stark angeschlagen finanzielle Lage habe es unmöglich gemacht.
Capone war von den Socken. Er hatte damit gerechnet, dass er 10000 Dollar bekommen würde – oder alles verlieren würde. Einen solchen Akt menschlicher Ehrlichkeit war nicht grade das, was ein Mafioso erwarten würden.
So weckte Lustig den Mensch in Capone – und Capone gab ihm 5000 Dollar, um ihn aus seiner misslichen Lage zu retten.

Das waren nur die bekanntesten, und durchaus lustigsten Betrügereien, die Herr Lustig in seinem Leben angesammelt hat. Von Geldfälscherei, Betrug bei Glücksspielen, Betrug an Betrügern bis hin zur Flucht aus dem Gefängnis.

Ein Verbrecher – zweifellos – aber einer der einem durchaus sympathisch sein kann.
Die meisten Leute die er geprellt hat, haben es garnicht anders verdient.

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